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Reformierte Kirche Ägeri / Geschichte

Hier informieren wir sie über die Entstehung und die historischen Hintergründe der reformierten Bezirkskirchgemeinde Ägeri in loser Folge.

Der Beginn

Die "Spinni" (Spinnerei) ausgangs Unterägeri macht 1834 den Start. Der katholische Unterägerer Hufschmied Wolfgang Henggeler und seine Brüder beginnen eine Spinnerei zu bauen. Doch das Geld reicht nicht, die reichen verwandten Bauern aus Oberägeri helfen mit Darlehen.

Henggeler heiratet die reformierte Tochter eines Zürcher Spinnereibetreibers. Damit beginnt eine industrielle und gleichzeitig konfessionelle Revolution im Ägerital. Im reformierten Kanton Zürich gibt es schon zahlreiche Spinnereien mit entsprechend kompetenten Mitarbeitern. Henggeler holt sich reformierte Spinnereifachleute. Er baut in Neuägeri Kosthäuser und die ersten Reformierten beginnen sich niederzulassen. Der reformierte Arbeitsethos gefällt dem Jungunternehmer. Er hat schnell erkannt, dass die tradionalistisch-katholische Zentralschweiz der reformierten, wirtschaftsorientierten Industrie weit nachstand. Er beklagt sich dann auch beim Bischof über die zu zahlreichen katholischen Feiertage und die rückwärts gerichteten Menschen. Henggeler ist gewandt, was die Maschinen anbelangt aber von Marketing versteht er wenig und ist auf die Unterstützung reformierter Familienmitglieder angewiesen. Für Unterägeri ist dies alles nicht unwesentlich. Die Lorze wird in einen Kanal verlegt und damit viel Land im heutigen Zentrum trockengelegt. Oberägeri kann da in der industriellen Entwicklung nicht mithalten.

Henggeler konvertiert und zieht nach Baar. Die Geschichte der reformierten Kirche im Kanton Zug nimmt Fahrt auf.

Teil II
Für Henggeler beginnt eine erfolgreiche industrielle Entwicklung mit weiteren Spinnereibetrieben.
Das reformierte kirchliche Leben stellt neue Herausforderungen. Zu Beginn reicht es noch , dass ein reformierter Pfarrer aus dem Kanton Zürich jeweils nach Baar reist um eine Predigt zu halten. Bald wird klar, wir wollen einen eigenen Pfarrer und eine eigene Kirche.
So kommt es zum Bau der ersten reformierten Kirche in Baar inklusive Pfarrhaus. Alles wird aus privaten Spenden bezahlt. Industrielle aus Cham helfen mit. Es wird auch eine reformierte Primarschule in Baar eröffnet, da die Reformierten ihre Kinder nicht zu Klosterfrauen in die Schule schicken wollten.
Die zweite reformierte Kirche wurde dann in Zug gebaut. Etwas überraschend, denn eigentlich forderten die Chamer schon länger die Zustimmung zu einem Kirchenbau. Zug begann zu bauen, bevor die Zustimmung kantonal erfolgte. Wiederum waren private Gönner zur Stelle, als es um Grund und Boden ging.
In Ägeri fanden die ersten Gottesdienste im Säli des Restaurants „Kreuz“ im Oberdorf statt. Auch wurde in der Spinnerei in Neuägeri Religionsunterricht erteilt. Es folgt eine längere Zeit, in der die Mitglieder des Protestanten Vereins Ägeri sich immer wieder bei der Kantonalkirche mit dem Wunsch nach einer eigenen Kirche meldeten. Erst im März 1938 kam es dann zur Grundsteinlegung unserer heutigen schmucken Kirche in Mittenägeri. 75 Jahre nach der Gründung der reformierten Kirche im Kanton Zug bekommt das Ägerital ebenfalls eine protestantische Kirche und damit eine sichtbare Heimat für ihre Mitglieder.

Teil III - schwierige Jahre

Mit der Einweihung der schmucken Kirche kam dann zunehmend der Wunsch auf, als selbständiger Bezirk fungieren zu können. Dies machte jedoch eine grundlegende Überarbeitung der Kirchenordnung notwendig. Im August 1949 war es dann soweit Ober- und Unterägeri wurden als 4. Bezirk in die Kantonale Kirchgemeinde aufgenommen. Die lebendige Kirchgemeinde wurde in diesen Jahren von Pfarrern aus Zug und Baar betreut. Erst 1960 wurde eine 6. Pfarrstelle für den Bezirk Ägeri bewilligt. In der Zwischenzeit kam auch der Wunsch nach einer künstlerischen Aufwertung des doch recht schlichten Kirchenraumes auf. Der bekannte Künstler Otto Münch gestaltete das Rundfenster in der Frontwand mit den Symbolen der vier Evangelisten. Als dann auch noch eine kleine, aber feine Orgel angeschafft werden konnte, hat Otto Münch den Orgelschmuck mit den zwei Engeln geschaffen.
Die Gemeinde blühte und der Gottesdienstbesuch war sehr erfreulich. 1963 wurde das 25 Jahre Jubiläum gebührend gefeiert. Die Zuger Kirche erlebte auch wirtschaftlich einen Aufschwung und wurde immer unabhängiger von der Unterstützung durch protestatische Hilfsvereine.
Es folgten Jahre der inneren Unruhe mit etlichen Wechseln im Pfarramt. Trotzdem gab es erfreuliche Entwicklungen. Die JK (Junge Kirche) blühte für ein paar Jahre, bevor diese Jugendarbeit dann aufgegeben werden musste. Erfreuliches ist auch von der Sonntagsschule zu berichten, die weit über das Tal hinaus Beachtung fand. Der Unruhe Höhepunkt wurde im Januar 1976 erreicht. Ein unbefriedigende Situation mit dem Pfarrer führte zu dessen Abwahl. Keine einfache Situation für die Gemeinde. Ein Pfarrer mit grosser Integrationsfähigkeit und Geduld für den Wiederaufbau des inneren Friedens war gesucht.
Wie würde dieses Vorhaben gelingen?

Pfarrer kommen – Pfarrer gehen – Pfarrerin kommt


Nachdem 1988 Pfarrer Jürg Rother ordiniert und gleich installier wurdet war eine klar stärkere Präsenz der reformierten Kirche im Aegerital möglich. Es begann auch eine intensive ökumenische Zusammenarbeit mit den jeweiligen Pfarrämtern. In der Schulkommission Oberägeri wurde ein Sitz auch für den reformierten Pfarrer geschaffen (obwohl immer wieder behauptet wurde, dass dieser Sitz eigentlich der Sitz des neu gegründeten „Forum“ sei).
Pfarrer Jürg Rother und Pfarrer Walter Schweiter entwarfen eine auf die jeweiligen Stärken beruhende Arbeitsaufteilung. Pfarrer Walter Schweiter kümmerte sich schwergewichtig um ältere Menschen und die Gemeinde Unterägeri, Pfarrer Jürg Rother widmete sich schwergewichtig den Familien solange die Kinder noch zu Hause sind, des Religionsunterrichtes an der Oberstufe inkl. Konf-Unterricht. Daneben fand das Thema „Wirtschft und Ethik“ noch Platz. Dieses neue Konzept, dass nicht mehr jede Pfarrperson alles macht, erwies sich als sehr positiv für die Gemeindeentwicklung und auch für Pfarramtsarbeit allgemein.

1995 geht Walter Schweiter nach 18 Jahren im Dienst an der evangelisch reformierten Kirche Bezirk Aegeri in Pension. Er hat mit seinem strategischen Gespür, mit seiner konsequenten Ausrichtung der Arbeit auf Bedürfnisse der Menschen entscheidend dazu beigetragen , dass Aegeri eine lebendige, dynamischen und wachsende kirchliche Gemeinde war und ist. Beide Myrtha und Walter Schweiter haben nachhaltige schöne und wertevolle Spuren hinterlassen.

Die Stelle wurde ausgeschrieben und es meldete sich Erwin Nüssli, langjähriger Pfarrer in der Gemeinde Trimbach. Mit ihm gewann Aegeri einen vielseitig begabten Pfarrer. Seine Frau Madleine war ebenfalls ein grosser Gewinn. Als Organistin und spätere Kirchenchorleiterin hat sie viel zu musikalischen Weiterentwicklung beigetragen. Die Auftritte der beiden und diversen Altersnachmittagen – nicht nur im Aegerital – sind in bester Erinnerung. Der Witz und Schalk von Erwin Nüssli kam auch in neuen Gefässen zum Tragen. Musik und Wort jeweils am 1. Januar in der Marienkirche, der Narrengottesdienst Unterägeri. Die Menschennähe von Erwin Nüssli ermöglichte ihm sich rasch im Tal zu integrieren. Er verlängerte seinen Dienst noch ein Jahr über das Pensionsalter hinaus. Madleine Nüssli behielt ihr Amt als Organistin und Kirchenchorleitern weiterhin.

Und wieder stand ein Wechsel an. Die Stelle wurde wiederum mit einem klaren Profil im Bereich 2. und 3. Lebenshälfte ausgeschrieben. Die Resonanz der Ausschreibung war nicht überwältigend. Aber, in der Kandidatur von Andreas Wüthrich – Pfarrer in Zürich Höngg – meldete sich ein Pfarrer, der bereits weitgehende Erfahrung mit Menschen im Alter hatte. Er verfügt über Zusatzausbildungen, die ihn prädestiniert erscheinen lassen. Zudem ist er ein überzeugender Prediger, was der Tradition und den Erwartungen von Aegeri entsprach.
Mit Pfarrer Andreas Wüthrich kam auch Raphaella mit ihren beiden Kindern ins Pfarrhaus in der Seematt. Gemeinsam gestalteten sie die Silbersternnachmittage und führten die Tradition der Altersferien weiter. Es folgte die Einführung von Exerzitienwochen, das Pilgern auf dem Jakobsweg. Immer wieder verblüffte Pfarrer Andreas Wüthrich mit seinen Texten. Seine jeweils nachgelieferten schriftlichen Predigten wurden beliebt und genossen grosse Nachfrage.
Seine selbstverfassten Weihnachts-Spiele, die er gemeinsam mit Jürg Rother am 24. Dezember zur Aufführung brachten, waren schon nach dem ersten Mal Legende.
Es trafen aber zwei Persönlichkeiten zusammen, die vom ganzen Umfeld und insbesondere von der Kirchenpflege enorme Anstrengungen abverlangten. Was als Krise begann, weitete sich über die Jahre zum handfesten Konflikt unter dem zunehmend auch die Gemeinde litt.
Aus verschieden Gründen teilte dann Pfarrer Andreas Wüthrich Ende November 2007 mit, dass er sich früh-pensionieren lasse.

Es schnell klar, dass in der kurzen Zeit keine Nachfolge gefunden werden konnte. Vorerst führte Pfarrer Jürg Rother im Alleingang die Geschicke der Aegeri-Gemeinde. Per 1. Juli 2008 nahm dann Pfarrer Edi Bolliger eine 60% Verweser Stelle an. Damit war der Bereich der Alters- und Pflegheime mit den verschiedenen Gottesdiensten abgedeckt und auch die Sonntagsgottesdienste konnten wieder im Wechsel gestaltet werden. Edi Bolliger mit seiner energiegeladen Persönlichkeit gab sich schnell in die Arbeit ein.

Daneben wurde wiederum eine Pfarrwahlkommission eingesetzt, die sich nochmals intensiv mit dem Profil einer möglichen Pfarrperson auseinandersetzte. Eine erste Ausschreibung brachte wohl Kandidaturen, aber kein Resultat. Es wurde beschlossen nochmals auszuschreiben und mit potentiell passenden Personen umgehend das Gespräch aufzunehmen. Pfarrerin Martina Müller – damals im Safiental tätig – christalisierte sich schnell als die Wunschkandidatin heraus. Eine erfahren Pfarrerin und erst noch mit einer Zusatzausbildung in Gerontologie war gefunden. Pfarrerin Martina Müller fügte auch über grosse Predigt Erfahrung. Sie übernimmt ihr Amt dann per 1. August 2009.

Eine fast anderthalbjährige Vakanz findet so ein Ende. Begeistert begrüsst die Gemeinde die erste Frau im Pfarramt in Aegeri Pfarrerin Martina Müller ging im September 2018 vorzeitig in Pension. Ihre Nachfolgerin wurde Inge Rother-Schmid die sich nunmehr das Pfarramt mit ihrem Mann Jürg Rother teilt.



Fortsetzung folgt

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Reformierte Kirche
Bezirk Ägeri

Seestrasse 71, 6314 Unterägeri
Jürg
Verantwortlich: Juerg Rother
Bereitgestellt: 22.08.2019
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