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Leben mit - in - für die Kirche: DAS INTERVIEW

Abo Jensen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-aegeri.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>6</div><div class='bid' style='display:none;'>4715</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>
Das Interview - Anne Bodil Jensen
Im Interview unterhält sich Pfarrer Jürg Rother mit Mitgliedern des Bezirkes Ägeri, die über Jahre aktiv das Leben unseres Bezirkes, aber auch der Kantonalkirche, mitgestaltet haben. Die meisten Dinge geschahen ohne Aufsehen und hatten doch nachhaltige Wirkung. Eine Serie über reformierte Identität im Ägerital.
Jürg Rother,
Jürg Rother (jr): Wie bist du überhaupt mit der Kirche vertraut geworden?

Anne Bodil Jensen (ABo): Ich bin im Cevi (Christlicher Verein junger Menschen) aktiv gewesen, damals in Norwegen. Cevi war vielerorts nah verknüpft mit der Kirche. Ich habe auch eine Ausbildung als Gemeindesekretärin und Jugendarbeiterin gemacht. Dafür ging ich drei Tage pro Woche in die Schule und in der übrigen Zeit arbeitete ich als Praktikantin in einer Kirchgemeinde.

jr: Du bist dann ja auch über Cevi-Kontakte in die Schweiz gekommen, oder?

ABo: Ja, so hat alles angefangen. Ich heiratete einen schweizerischen „Cevianer“, und im 1992 zogen wir nach Ägeri. Durch Thomas und Ruth Brefin, die wir schon durch Cevi kannten, habe ich 1993 angefangen, im Kirchenchor mitzusingen.

jr: Suzie Badenhorst hat ja dann bei uns als Sozialdiakonin im Bereich Kinder- und Jugendarbeit angefangen. Wie bist du da hineingewachsen?

ABo: Mit Suzie haben wir den Kindertreff gestartet und aufgebaut. Dieses Projekt lag und liegt meinem Herzen sehr nahe. Wenn ich heute z. B. beim Einkaufen Ehemaligen aus dem Kindertreff begegne und ihre Freude über unsere gemeinsame Zeit sehe, ist das echt toll. „Eine/Einer von ‚unseren‘ Kindern“ – aber doch inzwischen selbstständige und selbstbewusste junge Erwachsene.

jr: Welches waren weitere Engagements in unserer Kirchgemeinde?

Abo: Ich wurde auch für die Bezirkskirchenpflege angefragt. Das Ressort ‚Religionsunterricht‘ war nicht so mein Ding. Es sind dann aber doch sechs Jahre geworden.

jr: Wie du gesagt hast – dein Herz ist nahe beim Kindertreff oder hat sich das nach oben verschoben?

ABo: Nein, ich bin zu Hause in dem was ich das „goldene Alter“ nenne. Das Alter der
4. - 6.-Klässler. Sie sind noch keine Teenies, aber doch schon vernünftig und sehr interessiert. Daraus ergeben sich sehr schöne Erfahrungen. Der Kindertreff ist ja längst integriert in das Gesamtkonzept der Kinder- und Jugendarbeit in unserem Bezirk.

jr: Ich staune jedes Jahr, mit welcher Kreativität du am Bühnenbild für das Weihnachtsprojekt arbeitest. Woher kommt diese künstlerische Seite in dir?

ABo: Oh, meine Grossmutter war eine kreative Frau, vielleicht kommt es von da. Ich mag den Druck, dass es dann doch fertig wird, das Bühnenbild. Es ist eine sehr strenge Zeit, mit manchmal wachen Nächten, aber doch toll. Mit Suzie ergänze ich mich sehr gut - und wenn wir uns bei Aktivitäten oder beim Pläne schmieden in eine Sackgasse hineinmanövriert haben, finden wir immer zusammen wieder heraus! Es ist ja nicht immer einfach mit all den kleinen Hirten und Engeln. Aber dann bei der Aufführung die teils feuchten Augen der stolzen Eltern zu sehen, das entschädigt für den vorangegangenen „Stress“.

jr: Als das Sommerlager vor ein paar Jahren „überfallen“ wurde, entstand der Bedarf einer Nachtwache. Du hast das übernommen. Wie gefällt dir diese Aufgabe?

ABo: Für mich ist das spannend. Viele der Kinder und auch Leute aus dem Team kenne ich ja seit Jahren. Einst waren sie im Kindertreff und jetzt übernehmen sie Verantwortung im Team. Mein Einsatz gibt dem Team die Möglichkeit, ruhig zu schlafen; z. B. wenn ein Kind Heimweh hat, bin ich da.

jr: Wie haben sich dein Kirchenbild und deine Kirchenbeziehung über die Jahre verändert?

ABo: Ursprünglich war ich überhaupt nicht gottesdienstorientiert und das ist irgendwie geblieben. Kann sein, dass das auch mit biographischen Ereignissen zu tun hat. Heute habe ich auch viel mehr Fragen und Zweifel was religiöse Themen angeht, wie als junge Frau im Cevi damals.

jr: Wie siehst du denn idealerweise ‚Gemeindeleben‘?

ABo: Ich sehe eine Trennung zwischen Leben und dem ‚kirchlichen‘. Ich finde wir sollten vielmehr das Leben ganzheitlich teilen. Da sehe ich noch grosse Entwicklungsmöglichkeiten. Mitgehen miteinander, Einsamkeiten durchbrechen, auch Lebenswunden miteinander teilen. Wir getrauen uns zu wenig, solche Netzwerke zu leben, es muss ja nicht gerade eine neue Selbsthilfegruppe daraus werden, nur mehr Gemeinschaft im Alltag. Oft ist ja das Leben sehr ‚praktisch‘ und manchmal sehr mühsam, besonders wenn man alles alleine bewältigen muss.

jr: Welches Verhältnis hast du heute zu Norwegen, deiner ursprünglichen Heimat?

ABo: Nach 29 Jahren in der Schweiz ist Norwegen schon ein wenig ‚weggerückt‘, insbesondere auch nach dem Tod meines Vaters. Das Leben geht immer weiter. Freunde und Familie leben dort oben ihr Leben, und ich lebe meines hier in der Schweiz. Nur etwas hat den Kontakt mit Norwegen verstärkt und entwickelt: Seit 2001 bin ich „Fussball-Idiot“! Ich bin Mitglied beim Norwegischen Supporterclub des FC Liverpool. Einmal pro Jahr arrangiert dieser Reisen an die Spiele, speziell für Frauen. Ich habe jetzt sechsmal teilgenommen und Freundinnen fürs Leben gefunden. Die Gemeinschaft, die Hymnen, das soziale Engagement, die Rituale – das hat fast etwas ‚Kirchliches‘. Und Fussball ist definitiv nicht mehr Männersache!

jr: Herzlichen Dank dir ABo für alle die Jahre, für dein Mitgehen mit Kindern und jungen Menschen in unserer Bezirkskirchgemeinde. Ich freue mich jetzt schon auf dein nächstes Bühnenbild. Wünsche dir viel Spass mit deinen Supporters, aber auch gute ermutigende Begegnungen hier in Ägeri.
Abo Jensen
13.09.2018
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Fotograf/-in
Melvin Werthmüller, Cornelia Huonder

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Bezirk Ägeri

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Verantwortlich: Cornelia Huonder
Bereitgestellt: 29.11.2018
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